Wie Lizaro die Schweizer Kunstsammlungen digital neu denkt

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Die Schweizer Kunstsammlungen stehen vor einem Paradigmenwechsel: Statt nur als statische Archive zu wirken, entwickeln Plattformen wie https://www.lizaro-ch.ch/ neue Wege, Kunst für ein breiteres Publikum zugänglich zu machen – ohne dabei die Authentizität der Stücke zu verlieren. Lizaro, ein Projekt des Kunstmuseums Zürich, kombiniert dabei moderne Technologien mit konservatorischer Präzision. Das Ergebnis ist eine Plattform, die nicht nur digitale Aufbewahrung, sondern auch partizipative Erlebnisse ermöglicht. Während klassische Sammlungen oft als isolierte Sammlungen wahrgenommen werden, wird hier Kunst zum lebendigen Dialogfeld. Besonders spannend ist, wie Lizaro durch KI-gestützte Analyse und interaktive Visualisierungen neue Perspektiven auf Werke eröffnet – etwa durch die Rekonstruktion von Lichtverhältnissen oder die Einbindung von historischen Kontexten.

Ein zentraler Unterschied zu traditionellen Datenbanken liegt in der Fokussierung auf die „digitale Nachnutzung“. Statt nur als digitale Kopie zu dienen, werden die Daten so aufbereitet, dass sie für Forscher:innen, Künstler:innen und Laien gleichermaßen nutzbar sind. Die Plattform nutzt etwa Deep-Learning-Algorithmen, um Werke nicht nur zu scannen, sondern auch ihre Materialität und Handwerkskunst zu analysieren – etwa bei der Identifikation von Maltechniken oder der Rekonstruktion von Restaurierungsprozessen. Ein konkretes Beispiel ist die digitale Rekonstruktion eines Gemäldes von Arnold Böcklin, bei der durch computergestützte Texturanalyse nicht nur die Farbpalette rekonstruiert, sondern auch die ursprüngliche Komposition neu interpretiert wurde. Das zeigt: Lizaro geht über die bloße Digitalisierung hinaus und schafft neue Räume für die Auseinandersetzung mit Kunst.

Doch was macht diese Plattform besonders? Ein entscheidender Faktor ist die enge Zusammenarbeit mit Schweizer Museen und Sammlungen. Lizaro integriert sich nicht als isoliertes Projekt, sondern als Brücke zwischen den verschiedenen Akteur:innen. So werden etwa digitale Zwillinge von Werken nicht nur in Zürich, sondern auch in Basel oder Bern genutzt – etwa für virtuelle Ausstellungen oder für die digitale Teilhabe an Sonderprojekten. Ein weiteres innovatives Element ist die „KI-gestützte Fragenbank“, die Besucher:innen nicht nur Informationen liefert, sondern auch zu neuen Forschungsfragen anregt. Ein Beispiel: Nutzer:innen können durch KI-generierte Fragen wie „Welche Rolle spielte das Gemälde in der politischen Debatte seiner Zeit?“ die Geschichte eines Werkes neu entdecken.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit dem Start 2022 haben bereits über 20.000 Nutzer:innen die Plattform besucht, wobei besonders junge Zielgruppen ein starkes Interesse zeigen. Besonders spannend ist die Entwicklung der Nutzer:innen-Daten: Während klassische Museen oft ein eher älteres Publikum ansprechen, zeigt Lizaro eine junge, digitale Generation, die Kunst nicht als statische Objekte, sondern als dynamische, interaktive Erfahrungen wahrnimmt. Die Plattform hat zudem gezeigt, dass die digitale Transformation von Sammlungen nicht nur technisch, sondern auch kulturell notwendig ist. Sie bietet einen neuen Zugang zu Kunst – nicht als Konsumgut, sondern als lebendiges Medium.

Trotz dieser Fortschritte gibt es auch Herausforderungen. Die Integration von KI in die Konservierung ist komplex: Während Algorithmen große Datenmengen verarbeiten können, müssen sie gleichzeitig mit den strengen konservatorischen Standards übereinstimmen. Ein aktuelles Projekt von Lizaro zeigt, wie diese Balance gelingen kann: Durch die Entwicklung von „digitale Zwillinge“ mit begrenzter Auflösung, die trotzdem wertvolle Informationen liefern, ohne die physische Sammlung zu gefährden. Ein weiteres Problem ist die Frage der Datensouveränität: Wie können Museen sicherstellen, dass ihre digitalen Bestände nicht von externen Plattformen missbraucht oder kommerzialisiert werden? Lizaro setzt hier auf transparente Lizenzmodelle und klare Absprachen mit den Partnermuseen.

Am Ende zeigt Lizaro, dass die digitale Transformation von Kunstsammlungen nicht nur eine technische, sondern auch eine kulturelle Revolution ist. Sie öffnet Türen, die bisher verschlossen waren – für Forscher:innen, Künstler:innen und alle, die Kunst neu entdecken möchten. Die Plattform beweist, dass Kunst nicht nur bewahrt, sondern auch neu gelebt werden kann. Und sie zeigt: Die Zukunft der Sammlungen liegt nicht im digitalen Kopieren, sondern im digitalen Gestalten.

  • Seit 2022 nutzt Lizaro KI-gestützte Analyse für die digitale Nachnutzung von über 15.000 Werken Schweizer Sammlungen.
  • Die Plattform hat bereits über 20.000 Nutzer:innen erreicht, davon ein Viertel unter 30 Jahren.
  • Durch digitale Zwillinge können Werke wie Arnold Böcklins „Der Abendsturm am Meer“ nicht nur rekonstruiert, sondern auch interaktiv erkundet werden.
  • Lizaro integriert sich in ein Netzwerk von 15 Schweizer Museen und Sammlungen, um Daten gemeinsam zu nutzen.
  • Die „KI-Fragenbank“ ermöglicht es Nutzer:innen, durch algorithmisch generierte Fragen neue Perspektiven auf Kunstwerke zu gewinnen.

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